Ausflug der Alpetriner nach Mähren

Ausflug der Alpetriner nach Mähren

Viel zu selten begeben sich Österreicher auf Erkundungstour zu den nördlichen Nachbarn, etwa nach Mähren im östlichen Drittel Tschechiens, das dereinst Teil der österreichischen Monarchie war. Eine bunt gemischte Gruppe von Altpetrinern hat es gemacht. Zu erleben waren bei der 5-tägigen Reise am Beginn der Karwoche schmucke Städte wie Brno, Kremsier, Olmütz oder Zlin. Spaß machen könnte weiters die Erfahrung mit einer lustigen Mischsprache zwischen tschechisch und deutsch. Reisen oder auch bloß Kontakte nach Tschechien werden massiv gebremst durch die sprachliche Barriere. Tschechisch gilt nicht zu Unrecht als schwierig, in Mähren bietet sich aber eine durchaus verträgliche Einstiegshilfe an: Hantec, die Sprache der älteren Brünner Bevölkerung, in der sich tschechisch sehr sympathisch mit deutsch vermischt. Ein Beispiel mag der folgende Reim sein:

Die PetrA-Reisegruppe vor dem Kloster Velehrad

Auf dem Bergl sitzt ein zajíc (Hase)
mit der nožka třepetajíc (zitternden Beinen)
kommt der Jäger mit der puška (Flinte)
schießt den zajíc in die ouška (Ohren).

Andere durchaus gebräuchliche Vokabel sind etwa: hokna (Arbeit), ksicht (Gesicht), hajzl (Klozet), hózny (Hose), šnuptychl (Taschentuch), erteple (Kartoffel), haxna (Bein) oder vasrovica (Wasser).

Hantec wird bis heute gesprochen, obwohl es eine unselige Politik geschafft hat, auch Brünn zu einer Stadt zu machen, wo inzwischen fast nur noch Tschechen leben und damit auch nur noch tschechisch gesprochen wird. Junge Brünner wollten mit dem Hantec, das die Kommunisten als Gaunersprache abqualifiziert haben, lange Zeit nichts mehr anfangen, inzwischen gibt es aber Bemühungen, die Sprache wieder zu beleben.

Mühlviertler Jurist in Prag

Mag. Dr. Thomas Rechberger: seit 10 Jahren Anwalt in Prag

Bitten Sie einen Tschechen, den Namen „Rechberger“ auszusprechen, er wird es nicht oder nur ganz schwer schaffen. Das ist der Grund, warum sich Mag. Dr. Thomas Rechberger im Restaurant oftmals als Pan Tomas vorstellt. Herr Thomas ist seit 10 Jahren bei der internationalen Wirtschaftskanzlei TaylorWessing e|n|w|c advokáti v.o.s. beschäftigt und eher zufällig in der Tschechischen Hauptstadt gelandet. Nach der Matura am Petrinum in Linz studierte der 1977 in St. Martin im Mühlkreis geborene Thomas Rechberger an der Linzer Uni Jus und absolvierte anschließend ein kurzes Praktikum in einer Anwaltskanzlei im mährischen Brno. Keine Ahnung von der Sprache empfand er das Nachbarland damals „wie eine völlig fremde und verschlossene Welt“. Und doch muss ein Funken übergesprungen sein, das Interesse ließ ihn nicht mehr los. 2008 folgte die Prüfung zum Rechtsanwalt, bereits zuvor hatte der junge Magister Juris sein Doktoratsstudium in Prag begonnen. Seine 2010 abgegebene Dissertation über Insolvenzrecht reichte er in tschechischer Sprache ein. 2007 heuerte er bei TaylorWessing an. Seither ist Prag seine Heimat, er wohnt mit seiner tschechischen Verlobten am „Weißen Berg“, überschreitet auf dem Weg zum Büro täglich die weltberühmte steinerne Karlsbrücke und versucht das immer dann zu tun, wenn möglichst wenige Touristen die Brücke bevölkern. Seine Heimat hat Pan Tomas natürlich nicht vergessen: gerne nimmt er an den Treffen der Vereinigung der Österreicher in Prag teil, alle paar Wochen besucht er auch seine Eltern und seine Geschwister in St. Martin. Kulturelle Unterschiede zwischen Österreich und Tschechien spürt er nicht, wie er sagt. Für Geschäftspartner sei das Miteinander beider Völker inzwischen wieder völlig selbstverständlich: „nach der verhängnisvollen Zeit des Eisernen Vorhangs kehren wir jetzt wieder zur Normalität eines größeren Marktes zurück, der Österreich-Ungarn über Jahrhunderte ausgezeichnet hat “. Sein Handy läutet und Thomas Rechberger, der eben noch deutsch gesprochen hat, parliert in perfekt klingendem Tschechisch, so als gäbe es nichts Normaleres auf dieser Welt.

Bert Brandstetter, MJ 1969

Artikel aus der PetrA-Ausgabe November 2018

Der Verein der Petriner Absolventinnen und Absolventen - kurz PetrA - fördert den gemeinsamen Kontakt und freundschaftliche Beziehungen zwischen ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Bischöflichen Gymnasiums Petrinum in Linz. Dies geschieht durch die Publikation der Vereinszeitung, das Treffen bei gemeinsamen Veranstaltungen und die Organisation von Reisen.

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