
Karl Schmutzhard wurde 1946 in Linz geboren, wuchs in Neumarkt/Mühlkreis auf, war Internatsschüler am Bischöflichen Gymnasium Petrinum, wo er 1964 die Reifeprüfung ablegte. Er studierte Theologie und Germanistik in Innsbruck. Dort unterrichtete er anschließend als AHS-Lehrer bis zu seinem Ruhestand Religion, Deutsch und den Freigegenstand Bühnenspiel. Karl Schmutzhard war ein sehr spiritueller Mensch, ein engagierter und charismatischer Pädagoge, seine große Liebe galt – neben seiner Familie – der Literatur und der Musik. Bewegung, Kommunikation, Lesen und Schreiben waren sein Lebenselixier. Nach seiner aktiven Berufslaufbahn verfasste er mehrere Bücher, die von seinen Erlebnissen, Erfahrungen, Nachforschungen und Reflexionen angestoßen wurden.
„Tu es“ (IMT Verlag, Kufstein 2011) basiert auf den Briefen, die der kleine Karli aus dem Internat im Petrinum nach Hause geschrieben und die seine Mutter sorgfältig aufbewahrt hat. Korrekt schildert er darin die harten Erziehungsmethoden in Internat und Schule, altersmild und fair beurteilt er sie persönlich, indem er den damaligen Zeitgeist der 1950/60 er Jahre mitbedenkt.
„Asyl heißt unberaubt“ (studia Universitätsverlag, Innsbruck 2018): Dieses Buch verarbeitet sowohl Fakten rund um das Thema Flucht, als auch persönliche Erfahrungen als ehrenamtlicher Betreuer und Deutschlehrer im Asylantenheim in seiner Wohngemeinde Aldrans zu einer einfühlsamen Analyse des viel diskutierten Themas.
„Der vierte Drittklarinettist“ (studia Universitätsverlag, Innsbruck 2019): Nach seiner Pensionierung begann Karl Schmutzhard Klarinette zu lernen und verstärkte bald die heimische Blasmusikkapelle. Viele heitere Anekdoten rund um das gemeinsame Musizieren, aber auch grundlegende Betrachtungen über die Faszination der Musik fügen sich hier zusammen zu einem großen Lesevergnügen.
„…vielleicht geht sich doch alles aus…“ (studia Verlag, Innsbruck 2021): In diesem historischen Roman begibt sich Karl Schmutzhard auf die Spuren seiner Eltern, die in ihrer schweren Kindheit, in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und in den mühevollen Nachkriegsjahren tapfer durchgehalten haben. Einerseits ein liebevolles Porträt, andererseits ein Stück anschauliche Zeitgeschichte.

„…wir hören auf…“. Nach(t)gedanken eines Lesenden zum Thema Leben und Tod. (studia Verlag, Innsbruck 2025): Wenige Wochen vor seinem Tod konnte dieser Sammelband noch erscheinen, in dem Karl Schmutzhard seine Reflexionen und Assoziationen zu verschiedenen Themen und literarischen Texten vereint. Begonnen hat er dieses Buch noch vor seiner schlimmen Krebsdiagnose, doch ein wesentlicher Teil der Texte stammt aus dem letzten Lebensjahr, das von der Krankheit und den Therapien extrem belastet war. Naturgemäß kreisen die Gedanken um das Glück des Lebens und um das unweigerlich nahende Ende: „wir hören auf das leben – wir hören auf zu leben“. Aber auch Interpretationen bedeutsamer literarischer Texte (Peter Handke, Bertolt Brecht, Friedrich Hölderlin, J. W. v. Goethe, Nelly Sachs, Ernst Jandl etc.), sowie Gedanken zu Stellen aus der Bibel und dem Talmud finden ihren Platz. Sehr bewegend sind die Schilderungen des Sterbens seiner Eltern und seiner Schwiegermutter. Heiter sind die „Kinderworte, Kindersätze, Kinderaktionen“ seiner Enkerl. – Insgesamt eine weise, ermutigende, lesenswerte Anthologie!
Am 12. Jänner 2026 ist Karl Schmutzhard nach schwerer, tapfer ertragener Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Ein Leben in Fülle hat damit seine Vollendung und sein Ende gefunden. Aber das Wirken seines Geistes bleibt lebendig für uns, die wir ihm begegnen durften. R.I.P.
Maria Schmuckermair
Dieser Artikel erschien in der PetrA, Ausgabe Nr. 85 (April 2026). Die Ausgabe ist im Zeitungsarchiv zu finden.
Bildnachweise: Maria Schmuckermair
