Bischof Maximilian Aichern

Bischof Maximilian Aichern

Ein persönlicher Nachruf von Ferdinand Kaineder, MJ 1975

In aller Frühe im Zug zum KMB-Männertag lese ich am 31. Jänner 2026 auf meinem Smartphone diese Zeilen: „Um 4 Uhr früh ist er nach Hause gegangen.“ Mir fällt das Kunstwerk von Eva Weber ein: „Atmen. Atmen. Amen.“ In mir der Gedanke: Jetzt hat er es geschafft. Ich kehre um. In den letzten Monaten habe ich Bischof Aichern öfter besucht, bei seinem Schreibtisch sitzend, trotz Schmerzen ein hellwaches Gesicht mir gegenüber. Beim Weggehen immer: „Und grüß mir deine Family, alle.“ Diese oder ähnliche Aussagen haben ganz viele Menschen aus den Begegnungen mit dem verstorbenen Bischof Maximilian Aichern mitgenommen.

Beim letzten Besuch – ohne zu wissen, dass es der letzte sein wird – habe ich gemeint: Beten wir für die Welt, für jene Menschen,  die es nicht leicht haben, und für dich – ein Vater unser. Er darauf: Ja, das machen wir. Und wir haben gebetet. Er hat mit dem Segensgebet noch ganz breit ausgeholt. Die massiven Rückenschmerzen haben ihn wieder daran erinnert, dass die Zeit kommen wird. Die fürsorgliche Haushälterin hat die Salbe geholt. Wir haben einander noch gesegnet und tief beglückt – ja, so war es – bin ich wieder in den Lebensalltag aufgebrochen. Begleitet haben mich die Erinnerungen und Erfahrungen, dass das Gespräch in früheren Tagen immer auch schon das Gebet war, das hellwache Zuhören und Austauschen.

Ein paar Tage davor hat er am Abend angerufen, hat mir noch von einer Begebenheit erzählt. Das hat er mit vielen Menschen gemacht. Aus dem KA-Umfeld habe ich das immer wieder gehört: Er hat angerufen. Am Ende des Telefonates meinte er: Ferdinand, betet für mich. Unser vielfältiges Miteinander war zu seiner Amtszeit „per Sie“.  Als Pastoralassistent am Dom von 1982 -1992 habe ich natürlich immer wieder Berührungsflächen gehabt, war unsere Pfarrkirche auch Bischofskirche. Als Ausbildungsleiter, Kommunikationsleiter und Mediensprecher der Diözese war mein Büro im Bischofshof in unmittelbarer Nähe zum Bischof bis zu seinem von Wien her geforderten Rücktritt 2005.

2009 hat er mich mehrmals auf meinem Fußweg nach Assisi angerufen. Ich erinnere mich noch an ein Telefonat in Padua: Wo bist du gerade? Dass du so weit gehen magst und dass das deine Füße aushalten. Er hat immer eine unglaublich empathische Tonalität in Telefonaten und Gesprächen gehabt. Es hat meiner damals gekränkten Seele unglaublich gut getan, war er doch der einzige aus der oberen Ebene, der auf persönliche Weise Anteil an meinem, unserem Schicksal genommen hat. Er hat auch meine Frau daheim angerufen, wie es ihr geht in unserer Situation. Nicht nur einmal. Es war immer etwas Aufrichtendes, Heilendes und Ermutigendes in seinem Zuhören und seinen einfachen Worten. Das hat uns auch auf persönliche Weise zusammengeführt. Und so sind wir ins – „per Du“ – hineingestolpert. Ich habe allerdings das „per Sie“ auch in einer sehr persönlichen und respektvollen Art erlebt. Das „Sie“ war eine besondere Art der gegenseitigen Wertschätzung. Jetzt könnte der Eindruck entstehen, wir wären immer einer Meinung gewesen. Wir haben unterschiedliche Wahrnehmungen, Sichtweisen und Projektvorhaben schon öfter „diskutieren“ müssen, immer in Respekt vor einander und eingebettet in jene „kritische Loyalität“, die uns alle miteinander verbunden hat. Eine „fremde Meinung und Wahrnehmung“ war ihm – so mein Eindruck – immer heilig. Wenn ich heute öfter bei Vorträgen oder Gesprächen sage, wir müssen wieder lernen, „das Fremde zu lieben“, dann hat das hier auch eine Quelle.

Pace e bene. RIP.

Ferdinand Kaineder, MJ 1975

Dieser Artikel erschien in der PetrA, Ausgabe Nr. 85 (April 2026). Die Ausgabe ist im Zeitungsarchiv zu finden.

Bildnachweise: Launus via wikipedia.com, CC BY-SA 4.0

Der Verein der Petriner Absolventinnen und Absolventen - kurz PetrA - fördert den gemeinsamen Kontakt und freundschaftliche Beziehungen zwischen ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Bischöflichen Gymnasiums Petrinum in Linz. Dies geschieht durch die Publikation der Vereinszeitung, das Treffen bei gemeinsamen Veranstaltungen und die Organisation von Reisen.

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